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Trauma-Therapie
Phase 1


Das Erfahren äußerer physischer und sexualisierter Gewalt, das Erleben von Unfällen oder das Erleiden einer lebensgefährlichen Erkrankung überfordert zumeist die Selbstheilungskräfte des Menschen und führt zu einer chronischen posttraumatischen Stressreaktion, die man oftmals unter dem Titel Posttraumatische Belastungsstörung zusammenfasst. Die traumatische Erfahrung, muss man selbst nicht direkt erfahren haben, das o. g. Störungsbild entwickelt sich auch, wenn man dies als Zuschauer miterlebt hat.

Man leidet noch Jahre bis Jahrzehnte nach dem traumatischen Ereignis unter aufdringlichen Nachhallerinnerungen. Man vermeidet Situationen und Umstände, die mit dem Trauma im Zusammenhang stehen. Man kann sich vielfach nur teilweise oder unvollständig an Dinge erinnern. Es besteht eine erhöhte Schreckhaftigkeit, Hypervigilanz, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit oder Wutausbrüche, Ein- und Durchschlafstörungen. Es bestehen Scham- und Schuldgefühle, Ohnmachtsgefühle, ein anhaltendes Misstrauen gegenüber anderen, ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, eine gestörte Selbstwahrnehmung, die Schwierigkeit, zwischen damals und jetzt zu unterscheiden sowie dissoziative Störungen. Je früher in der Lebensgeschichte und je näher man der Person stand, von der die Gewalt ausging, desto katastrophaler sind die Auswirkungen. 

Therapiekonzept der Hardtwaldklinik I zur Trauma-Therapie:

Unsere Konzeption der Trauma-Therapie basiert auf dem von Hermann, Reddemann, Sachsse, van der Kolk und Fischer entwickelten vorgegebenen Phasen der dreistufigen Trauma-Therapie:

1.   Stabilisierungsphase.

2.   Traumaexpositionsphase.

3.   Integrationsphase. 

Von zentraler Bedeutung sind dabei durch die ganzen Phasen der Trauma-Therapie, dass wir Patienten dabei unterstützen, ein Gefühl von innerer Sicherheit zu entwickeln, indem sie erfahren können, dass sie wieder Kontrolle über innere und äußere Prozesse haben und bewahren können. Sie sollten die Fähigkeit zur Selbstberuhigung erlernen und zu unterscheiden lernen, was der Vergangenheit angehört und was der Gegenwart.

Das Milieu in der Trauma-Therapie ist so gestaltet, dass der erhöhte Stresspegel, der von Anfang an gegeben ist, nicht zusätzlich durch therapeutische Interventionen erhöht wird. Insbesondere während der Stabilisierungsphase wird so gearbeitet, dass Traumata nicht reaktiviert werden.  

Die Eingangsphase der Trauma-Therapie ist primär bestimmend mit einer ausführlichen diagnostischen Phase, nach der die Diagnose und die dazu führenden möglichen Ursachen erklärt und beschrieben werden. Danach wird der gemeinsame Behandlungsfokus ausgearbeitet und neben der Einzel- und Gruppentherapie, Kreativtherapie, Entspannungsverfahren wird ein individueller Behandlungsplan besprochen.

Der Hauptschwerpunkt in der Trauma-Therapie wird auf die Reduktion des traumatischen Stresses gelegt und auf die Wiedergewinnung von Selbstbestimmung und Autonomie. Die Bearbeitung der traumatischen Erfahrung ist nicht das primäre Behandlungsziel. Neben dem Erlernen imaginativer Übungen ist es hilfreich, Verankerungstechniken für den Alltag zu erlernen und zu trainieren. 

Die therapeutische Haltung ist gekennzeichnet durch Verständnis, Akzeptanz, Respekt und Wertschätzung. Wir gehen davon aus, dass die Symptome sinnvoll sind und dass sich zwei Erwachsene Menschen begegnen, die sich um Hilfe um ein verletztes Kind bemühen. Es wird gemeinsam an einem Verständnis daran gearbeitet, dass die damaligen Bewältigungsstrategien hilfreich und sinnvoll waren, nicht innerlich gekämpft werden. 

Regression oder regressive Tendenzen werden nicht gefördert, sondern sie werden bei ihrem Auftauchen benannt und es werden gemeinsame Wege gesucht sie einzugrenzen, da Regression oft den Stress erhöhen und auch zum Trigger werden kann. 

Einzel- und Gruppenarbeit in der Trauma-Therapie

Durchgängig ist die Trauma-Therapie in einem Behandlungsteam, bestehend aus Ärzten/Psychologen und Kreativtherapeuten und Bezugsschwester. Zu Anfang besteht der Aufbau einer vertrauensvollen positiven therapeutischen Beziehung neben der Besprechung von Problemen, Alltagskonflikten, sozialen und beruflichen Problemen, wird auch auf das Erleben von Freude und Genuss fokussiert, indem es hilfreich ist, ein Freudetagebuch zu führen und auch an einer Genusstrainingsgruppe teilzunehmen. Wir bieten dazu auch spezielle Langzeittherapiegruppen an mit einer Dauer von 16 Wochen bei konstantem Behandlungsteam, wo die Stabilisierungsübungen, Genuss-Training, Projektgruppenarbeit (Musikinstrumentenbau, Holzbildhauerei) integriert sind. Die Aufnahme zu den Langzeittherapiegruppen erfolgt jeweils über ein Vorgespräch in der Klinik. 

Die Gruppentherapie ist primär pychoedukativ und ressourcenorientiert ausgerichtet, wo es insbesondere um das Bewusstwerden von Kraftquellen und Ressourcen geht, die wertschätzend angenommen werden und in den Alltag integriert werden sollen.

Für Krisensituationen wird eine Notfalliste erstellt sowie ein Notfallmanagement ausgearbeitet. Triggerreize werden eruiert über das duale Körpergewahrsein. Es werden Stressmanagement-Techniken erarbeitet, wie z. B. Verankerungstechniken, Trennungen, Trennung zwischen damals und jetzt um den Dis-stress zu reduzieren. 

In den Stabilisierungsgruppen, Gruppentherapien sowie Einzeltherapien werden imaginative heilsame Übungen vermittelt, zur Selbstberuhigung, zum besseren Konfliktmanagement, zur Stressreduktion bei konflikthaften Situationen wird z. B. ein inneres Gespräch mit der inneren Weisheit geführt/innere Freundin aufgesucht, bei Angstzuständen kann man an einen inneren sicheren Ort gehen, bei Unklarheit, ob Gefahr vorherrscht, kann man den äußeren Beobachter befragen. Mit Hilfe der inneren Vorstellungskraft kann man sich selbst Trost und Sicherheit geben, unabhängig von der äußeren derzeitigen Umgebung, soweit kein Täterkontakt mehr besteht. Diese Imaginationen wirken auch heilsam auf die Aktivierung der heilsamen Kräfte in uns und unterstützen diese. 

Unterstützend dazu ist die Entwicklung der Achtsamkeit im Alltag, womit z. B. gemeint ist, der sorgfältige Umgang mit dem eigenen Körper, die Erweiterung der eigenen Genussfähigkeit, die bessere Wahrnehmung der einzelnen Sinneskanäle, wie z. B. eine Rosine über 3 Minuten essen.

Körperübungen, Sport und Kreativität in der Trauma-Therapie

Zu den einzelnen Gruppentherapieangeboten finden zur Besserung der Körperwahrnehmung körpertherapeutische Übungen statt sowie Bewegungsmeditation, zur inneren Spannungsabfuhr therapeutisches Boxen und zur Entwicklung einer eigenen Aggressionskultur therapeutischer Stockkampf. Zum Stressabbau kann am Frühsport sowie an sportlichen Spielen oder sportlicher Gymnastik oder am Badminton teilgenommen werden. Begleitend zu den gruppentherapeutischen Angeboten ist Musiktherapie, Gestaltungstherapie oder Bewegungstherapie integriert, um insbesondere nonverbale Ressourcen deutlich zu machen.

Entspannung in der Trauma-Therapie

Obligatorisch ist das Erlernen der Progressiven Muskelentspannung, die sich bewährt hat für traumatisierte Menschen, im Gegensatz zum Autogenes Training. Es wird darauf geachtet, dass traumatisierte Körperstellen bei der Durchführung des Verfahrens ausgelassen werden. Zur weiteren Entspannung sind Massagen, Fangopackungen sowie Bäder eingebunden.

Bevor man mit der zweiten Phase der Trauma-Therapie, der Traumaexpositionstherapie, zu der uns unterschiedliche Vorgehensweisen zur Verfügung stehen, beginnt, muss die Stabilisierungsphase erfolgreich abgeschlossen sein.
Mehr zur Phase 2 lesen Sie im Beitrag zur Traumabearbeitung

Sollten Sie weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne unter der u. g. e-mail-Adresse zur Verfügung. 

M. Kraft, Dipl.-Psych.
Oberpsychologe
Psychologischer Psychotherapeut

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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